Kriterien der Antennenwahl

Grundsätzlich bietet jede Antenne eine Verstärkung der Empfangsleistung, vorausgesetzt sie ist der Konstruktion nach für die Wellenlänge geeignet, die empfangen werden soll. Diese Verstärkungs- und Richtleistung wird auch Antennengewinn genannt. Sie bemisst sich im Vergleich zu einem sogenannten fiktiven isotropen Kugelstrahler, der einen Antennengewinn von 0 Dezibel (dB) hat. Je höher also der Antennengewinn, desto weiter kann eine Antenne senden oder, in unserem Falle, umso schwächere Signale störungsfrei empfangen.

Signalstärke bestimmt Antennenaufwand

Als Grundregel gilt, je stärker das Empfangssignal, desto kleiner kann der Antennenaufwand sein, der für einen tadellosen Empfang nötig ist. Der Abstand zum Sender und dessen Sendeleistung werden die Wahl der richtigen Antenne also ganz maßgeblich mit beeinflussen. Zu berücksichtigen sind auch die landschaftlichen Gegebenheiten, die Bebauung und der Bewuchs in der Empfangsumgebung sowie die Höhe, in der die Empfangsantenne eingesetzt, beziehungsweise installiert werden soll. Im Erdgeschoss eines Hauses wird der Empfang per Zimmerantenne ganz wahrscheinlich nicht so gut sein, wie in den darüber liegenden Etagen. Auf der dem Sender abgewandten Seite eines Hauses ist der Empfang voraussichtlich schlechter, als auf der zugewandten. In einem Haus aus mit Stahl vergossenem Beton (Faradayscher Käfig) werden wohl Zimmerantennen kaum einen Empfang haben, während sie im aus Holz und Glas gezimmerten Haus des Nachbarn beste Leistungen bringen.

Dachantennen häufig Breitbandempfänger

Um die richtige Wahl zu treffen, ist vor allem der Empfangsbereich der Antennen zu berücksichtigen. Sie reicht bei Zimmergeräten von 87,5 MHz bis 862 MHz, bei manchen auch von 40 MHz bis 870 Mhz. Somit sind sie in der Regel für den Empfang von VHF- und UHF-Signalen geeignet und können im Bedarfsfall auch klassische UKW-Wellen für den Rundfunkempfang bündeln. Außen- und Dachantennen sind häufig als Breitbandgeräte in der Lage, beachtliche Wellenspektren zu empfangen.

Bei DVB-T handelt es sich letztlich um die gleichen Frequenzen, wie sie auch bisher im analogen terrestrischen Fernsehen verwendet wurden. Nur dass die sogenannte Modulation, also die Art und Weise, wie das Nutzsignal auf die elektromagnetische Welle aufgetragen wird, sich deutlich unterscheidet. VHF - Very High Frequency - umfasst die Frequenzen von 174 MHz bis 230 MHz oder die Kanäle 5 bis 10 und UHF - Ultra High Frequency - die Frequenzen von 470 Mhz bis 862 MHz oder die Kanäle 21 bis 69. Die früher gebräuchlichen und mit S gekennzeichneten Fernsehsonderkanäle können von DVB-T nicht verwendet werden.

Passive Stabantennen

Die einfachsten Antennen sind die klassischen Hertzschen Dipole: auf einem festen, manchmal magnetischen Fuß stehende Drahtstäbe unterschiedlicher Länge. Sie sind transportable, in der Regel für den Indoor- oder zumindest Schönwetter-Einsatz gedachte Geräte und oftmals bereits zu einem Preis von unter 20 Euro zu haben. Wegen der fehlenden zusätzlichen elektrischen Verstärkung werden sie auch Passivantennen genannt.

Entsprechende Feldstärken der ankommenden Funkwellen vorausgesetzt lässt sich das DVB-T vor allem mit transportablen Klein- und Kleinstfernsehgeräten mit solchen unkomplizierten Antennen ohne jeden größeren technischen Aufwand empfangen. Wie ein Kofferradio können diese Empfänger an beliebiger Stelle im Haus oder außerhalb aufgestellt werden, ohne dass der Empfang beeinträchtigt wird. Die Antennen sind in der Regel bei diesen Geräten als fest montierte auszuklappende oder auszuziehende Metallstäbe ausgeführt. Um ihre beste Position zu ermitteln, werden sie gedreht oder geschwenkt, bis das Bild optimal erscheint und der Ton ohne Störungen wiedergegeben wird. Ein Standplatz nahe einem Fenster wird sicher einen besseren Empfang ermöglichen, als mitten in der Wohnung.

Werden die transportablen Geräte ausnahmsweise ohne Antenne ausgeliefert, finden sich im Elektronikzubehörhandel die verschiedensten Antennenmodelle. In Gebieten hervorragenden Empfangs können diese Passivantennen durchaus auch an stationäre Geräte als Zimmerantennen angeschlossen werden.

Aktive DVB-T-Zimmerantennen

Mit aktiven Zimmerantennen ist man auch in den Gebieten wirklich guten und stabilen Empfangs selbst dann auf der sicheren Seite, wenn es durch äußere Einflüsse doch einmal Schwankungen in der Signalstärke geben sollte. Sie verfügen über einen meist eingebauten elektrischen Verstärker.

Wichtig ist, vor dem Kauf einer elektrisch verstärkten Antenne zu prüfen, ob externer Receiver beziehungsweise Fernseher mit integriertem Tuner über die Möglichkeit verfügen, eine solche Antenne mit Strom zu versorgen, oder ob der Antennenverstärker eine externe Stromquelle benötigt. Die Stromversorgung erfolgt dann in der Regel durch ein mitgeliefertes externes Netzteil, oder auch über USB.

Sind Antennen mit Verstärker versehen, ist zwischen einer festen oder regelbaren Verstärkerleistung zu unterscheiden. Feste Werte wie 18 oder 20 dB sind marktüblich, bei regelbaren Varianten reicht die Verstärkung von 0 dB bis 22 dB, teils auch noch darüber. Hier ist viel aber längst nicht immer besser, sondern es kann auch zu einer Übersteuerung und einem dadurch verschlechterten Empfang kommen.

Neben der Funktionalität erwarten die meisten Käufer von den Zimmerantennen ein Design, das unscheinbar oder besonders attraktiv ist. Hier finden sich mittlerweile im Markt auch allerlei fantasievolle Gerätschaften. Neben der flachen, kastenförmigen Bauweise gibt es schwenkbare Ringdipole, teils ergänzt mit einem oder mehreren Teleskopstäben, selbst kleine parabolspiegelartige Varianten in Vollmetall- oder Gitternetzausführung sind zu haben.

Außenantennen

Lässt sich mit aktiven Zimmerantennen keine befriedigende Empfangsleistung erzielen, bleibt nur der Griff zur Außenantenne. Wenngleich häufig wirkungsvoller als die Inhouse-Varianten, müssen auch sie so platziert werden, dass sie tatsächlich die Wellen möglichst optimal auffangen können. Also am Balkon oder der Wand montiert, sollten sie vom Sender aus gesehen nicht durch fremde Gebäude, Bäume oder andere Hindernisse verdeckt werden.

Auch hier bietet der Fachhandel eine breite Palette an Modellen und Ausführungen, sowohl für die Mast- als auch die direkte Wandmontage. Sie sind durch die Bauform und das Material für den Außeneinsatz vorbereitet. Wetterfestigkeit ist ein wesentliches Kriterium. Da sie in manchen Fällen auch bereits eine Größe von 40 mal 30 Zentimetern oder mehr haben, kommen bei der Außenmontage baurechtliche, mietrechtliche, statische und sicherheitstechnische Fragen ins Spiel. Angeschlossen werden diese Antennen ebenfalls über das handelsübliche Koaxialkabel, wobei insbesondere darauf zu achten ist, den direkten Antennenanschluss wasserdicht zu kapseln. Entsprechende Gummidichtungen gehören in der Regel zum Lieferumfang. Problematisch kann sich gegebenenfalls der Wanddurchbruch gestalten. Das Kabel sollte möglichst quetschungsfrei ins Freie geführt werden, denn eine Beschädigung der inneren Abschirmung kann die Empfangsqualität deutlich beeinträchtigen. Mittlerweile findet der Interessierte im Fachhandel aber eine große Auswahl an Kabelausführungen, bis hin zu Flachbandversionen sowie F-Stecker- und F-Dosenausführungen, so dass einer entsprechenden Kabelverlängerung und Wand-, Fenster, oder Türdurchführung nichts im Wege steht. Der üblicherweise mitgelieferte Verstärker wird in der Regel als separates Bauteil im Innenbereich zwischen das Antennenkabel integriert.

Dachantennen für DVB-T-Empfang

Im Zweifelsfalle werden die besten Empfangsergebnisse auch beim modernen DVB-T wie schon beim früheren analogen Antennenfernsehen erst durch aufwendigere Dachantennenanlagen erreicht. Die können unter dem Dach montiert werden, oder auf dem Dach. Gut dran, wer im Falle des Falles vielleicht sogar noch auf seine alte Antennenanlage aus den analogen Zeiten zurückgreifen kann. Die eigentlichen Empfangsantennen unterscheiden sich baulich auf den ersten Blick nicht wesentlich von ihren Ahnen und die zu empfangenden Frequenzbänder liegen, wie festgestellt, ja auch in den klassischen VHF- und UHF-Bereichen. Da das Signal aber in seiner digitalen Form anders moduliert ist, als früher in der analogen Variante, sind vorhandene Antennenverstärker zu prüfen und eventuell aus dem Leitungsnetz zu entfernen, wenn sie nicht die nötige Bandbreite abdecken. Stärker als bei Zimmer- oder einfachen Außenantennen ist bei Dachmontagen die Polarisation des Sendersignals zu berücksichtigen, da bei diesen Antennenformen nicht eben mal nachgerichtet werden kann. Am besten also vor der Entscheidung den Fachmann Richtung und Stärke des Sendersignals messen lassen.

Soll eine Dachantennenanlage für den digitale Empfang neu errichtet werden, empfiehlt sich die Wahl einer für den Einsatz optimierten Hochleistungsantenne. Sie sind mit Gitterreflektoren, zum Teil mit vierzig, fünfzig Stabelementen, Mehrfachleisten und häufig auch mit Verstärkern ausgerüstet, die einen optimierten Breitbandempfang ermöglichen.

Zusätzlich zu den auch für die einfachen Außenantennen erhältlichen Montageschellen, Masten und sonstigen Befestigungselementen hält der Fachhandel Zubehör wie Ziegeldurchführungen aus Kunststoff oder Aluminium und weiteres nützliches Material bereit. Liegt das Gebäude im Strahlungsbereich mehrerer DVB-T-Sender, kann es durchaus auch empfehlenswert sein, mehrere entsprechend ausgerichtete Antennen an einem Mast zu montieren. Die Signale werden über eine Mastweiche zusammengeführt, ohne dass sich die Sender gegenseitig stören. Die früher berüchtigten Geisterbilder bei Doppelempfang gehören im digitalen Zeitalter der Vergangenheit an, da die Sender die Programme alle im gleichen Frequenzbereich ausstrahlen und die digitalen Empfänger daraus dank intelligenter Software ein perfektes Gesamtbild zusammensetzen.

Auch bei dieser Variante des Empfanges wird Koaxialkabel vom Dach ausgehend von der Antenne zum Receiver oder Fernsehgerät gelegt. Sind größere Strecken zu überwinden, kann es sich empfehlen, einen Antennenmehrbereichsverstärker zu integrieren, der sowohl die DVB-T als auch die UKW/FM-Signale verstärken kann. Aber Vorsicht, denn DVB-T reagiert empfindlich auf Überleistung.

Haus- und Gemeinschaftsantennenanlagen

Unter- oder Überdachantennen können auch in eine Hausverteilanlage münden. So lassen sich die terrestrischen TV- und Rundfunksendersignale in mehrere Zimmer eines Einfamilienhauses leiten, oder aber auch in einem Mehrfamilienhaus auf alle Wohnungen aufteilen, ausreichende Verstärkerleistung vorausgesetzt. Dazu gibt es eine umfangreiche Palette an Hausanschlussverstärkern oder Steckdosenverstärkern, die bis zu 60 dB Verstärkerleistung liefern können, um Leitungsverluste auszugleichen.

Im einfachsten Fall kann das Antennenkabel in der eigenen Immobilie wie bislang auch von einer Antennen-Dose zur anderen geführt werden (Durchgangsdosen). Der letzte Verbraucher wird an eine Enddose angeschlossen. Hier ist unbedingt zu beachten, dass der Fachhandel diese Durchgangsdosen (Kabel-TV-Dosen mit einem Frequenzbereich von 5 bis 862 MHz) mit verschiedenen Anschluss- und Durchgangsdämpfungen für DVB-T und UKW bereit hält. Um je nach Leitungslänge optimale Empfangsleistungen zu erzielen empfiehlt sich deshalb die Konsultation eines Antennenfachmannes. Alternativ stehen auch Hyperbreitband-Dosen (Frequenzbereich von 5 bis 2200 MHz) zur Verfügung, die zusätzlich für die deutlich höherfrequenten Satellitenanlagen geeignet sind. In diesem Falle führt jedoch die Störung an einer Dose zwangsläufig zum Ausfall der Folgedosen. In Mehrfamilienhäusern wird man deshalb statt der durchgeschleiften Reihenschaltung (Baum- oder Stammverteilung) besser die von einem Zentralverstärker ausgehende sternförmig ausgerichtete Verteilung bevorzugen, um jedem Nutzer ein optimales Signal zur Verfügung zu stellen.



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